Sitzungsberichte

23. 1. 2018
Gemeinderat trifft Landwirtschaft

Gemeinderat trifft Landwirtschaft

Im Rahmen der Haushaltsplandebatte kam aus dem Gemeinderat die Anregung, sich mit den Problemen und Entwicklungen in der Landwirtschaft zu befassen. Bürgermeister Klemens Izsak griff diese Anregung auf und lud die Gemeinderäte am vergangenen Montag auf die Anwesen der Familie Kuppler in Reupoldsrot sowie der Familie Humpfer in Standorf ein – Zufall oder nicht: aber passend fiel diese Einladung auf den weltweiten Tag der Milch!

Hans-Martin und Sigrid Kuppler betreiben eine Milchviehhaltung in Reupoldsrot. Die Generationenfolge ist bereits gesichert, denn Tochter Christine ist in die Landwirtschaft mit eingestiegen und zu dritt erledigen sie die Arbeit auf dem Traditionshof, dessen Ursprünge bis ins 17. Jahrhundert zurückgehen und der nun seit Anfang des 19. Jahrhunderts von der Kuppler´schen Familie bewirtschaftet wird. Nach der Mischhaltung von Rindern und Schweinen, zwischendurch auch von Hühnern, finden sich heute nur noch Rinder in Reupoldsrot – 85 Milchkühe und nochmals so als Nachzucht stehen in den Ställen. Dazu bewirtschaften die Kuppler´s 90 Ha Ackerland und 24 Ha Grünflächen und das alles ohne Fremdarbeitskräfte – wobei zwischenzeitlich für bestimmte Arbeiten gerade bei der Feldbearbeitung oder Erntearbeiten Lohnunternehmen eingesetzt werden. Den Laufstall für die Rinderhaltung hat die Familie Kuppler 2009 gebaut – mit dazu einen Melkstand, in dem 16 Tiere gleichzeitig Platz finden. So lassen sich die Abläufe so organisieren, dass Sigrid und Hans-Martin zusammen mit der Hofnachfolgerin Christine die anfallenden Arbeiten bewältigen können.

Zweite Station war in Standorf die Humpfer-Ranch. Hofbetreiber und Biogaschef Joachim Humpfer empfing die Delegation im Betriebsteil, der die Biogasanlage beherbergt. Auch die Familie Humpfer betreibt noch klassische Landwirtschaft. Mit rd. 100 Ha Wirtschaftsfläche und rd. 170 Rindern, davon 85 Milchkühe, hat der Hof ähnliche Voraussetzungen wie bei den Kuppler´s. Doch Joachim Humpfer hat sich noch ein weiteres Standbein verschafft – seit 2009 produziert er Energie, zwischenzeitlich sind es 720 KW, die die Gasmotoren erzeugen können. Mit der Abwärme der Motoren werden ein Großteil der Wohnhäuser von Standorf und Leuzendorf, Stallungen und eine Trocknungsanlage für landwirtschaftliche Zwecke versorgt. Schnell merkt man im Gespräch mit dem Land- und Energiewirt, dass es sehr viel unternehmerischen Mut und Risikobereitschaft braucht, um sich auf solche immensen Investitionen einzulassen. Die behördlichen Vorschriften und Auflagen machen die Arbeit nicht einfacher – und wenn dann noch die politischen Vorgaben neue Hürden auftürmen, sorgt das für so manche schlaflose Nacht. Die Humpfer´s stehen bei der Arbeit zusammen, Joachim Humpfer kann sich noch auf seine Eltern verlassen, die ihm viel Arbeit im Stall und auf dem Feld abnehmen und seine berufstätige Frau Katrin ist ebenfalls mit eingespannt. Doch er kommt nicht mehr ohne Fremdarbeitskräfte aus.

Die Gemeinderäte waren sehr interessiert und zeigten sich beeindruckt von den unternehmerischen Entwicklungen, die ein landwirtschaftlicher Betrieb heute bewältigen muss, um auch zukünftig bestehen zu können.

An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Familien Kuppler und Humpfer, die Einblick in ihre tägliche Arbeit gewährt und sich die notwendige Zeit genommen haben, um den Gemeinderäten aufzuzeigen, welche Herausforderungen die Landwirtschaft heute bewältigen muss.