Sitzungsberichte

16. 1. 2018

Schrozberger Kläranlage muss erweitert werden

Die letzte Erweiterung der Schrozberger Kläranlage, bei der die Anlage mit relativ großem Aufwand ertüchtigt wurde, ist noch nicht gar so lange her. Im Jahr 2002 wurde die Anlage erweitert um ein Belebungsbecken und auch im übrigen grundlegend saniert. – der Ausbau war zukunftsweisend ausgerichtet und auf 6.200 Einwohnergleichwerte ausgelegt.

Durch das starke Wachstum der Schrozberger Molkerei ist die Anlage im Blick auf die Reinigungsleistung jetzt seit einiger Zeit knapp an der „Kapazitätsgrenze“. In Zusammenarbeit mit dem Landratsamt als Aufsichtsbehörde und den Ingenieurbüros Weber sowie IPE Eissing wurden nun verschiedene Möglichkeiten untersucht.

Hauptproblem bei den Abwässern der Molkerei ist die starke Verschmutzung, die bei der bakteriellen Klärung die Biologie des Beckens erheblich belastet. Zudem sind auch die Rückhaltemöglichkeiten bei Regenfällen nicht mehr ausreichend dimensioniert und es stellt sich die Frage einer Erweiterung. Auch die Schlammentsorgung bzw. die Belastung des Klärschlamms war ein Aspekt, der zukünftig Probleme bereiten wird.

Für alle diese Fragen hatte Frau Dr. Ulrike Zettl mehrere Lösungsansätze und einen von ihr empfohlenen Umsetzungsvorschlag. Klar ist bei allen Überlegungen, dass Kosten entstehen. Bei der Erweiterung der Anlage um ein weiteres Belebungsbecken, um die stark verschmutzen Abwässer von der Menge her verarbeiten zu können, sind die Kosten hoch, der Aufwand käme dem Umbau wie im Jahre 2002 gleich.

Denkbar wäre auch die Ausfaulung des Klärschlammes, wobei auch hier nicht geringe Investitionskosten anfallen. Bei beiden Überlegungen wäre die Erweiterung der Rückhaltemöglichkeiten notwendig und auch da ist der bauliche Aufwand groß.

Deshalb war die Idee der Spezialistin, dass das Produktionsabwasser der Molkerei separat gefasst und mittels Druckleitung direkt zur Kläranlage gepumpt wird. Dort wird in einer so genannten Flotationsanlage mit Hilfe von Fällmitteln ein Großteil der Schmutzfracht, die speziell im Abwasser der Molkerei enthalten ist, beseitigt. Das immer noch verschmutzte Abwasser kann dann problemlos der Kläranlage - im jetzigen Ausbauzustand zugeführt - werden, ohne dass die Reinigungsleistung überfordert wäre. Weiterer positiver Nebeneffekt wäre die Reduzierung des Schlammaufkommens, denn das „Flotat“, also die ausgefällten Schmutzpartikel, kann in einer Biogasanlage verwertet werden. Zudem könnte über die Ausfällung die Phosphorbelastung mit behandelt werden.

Allerdings fallen auch hier Kosten an – unter dem Strich stehen rd. 1.000.000 € für die Druckleitung sowie die Flotationsanlage und weitere notwendige Anlagenteile. Bei allen anderen Varianten liegen die Kosten entsprechend der Ausarbeitung von Dr. Ulrike Zettl deutlich höher. Marcus Eissing vom Ingenieurbüro IPE aus Schwäbisch Hall hat die Kosten der Druckleitung ermittelt und spricht sich für die vorgeschlagene Lösung aus. Das Landratsamt Schwäbisch Hall wurde ebenfalls in dieser ersten Planungsphase miteinbezogen und die Fachleute halten die Planung für eine intelligente Lösung.

Voraussetzung für die Umsetzung wäre noch die Trennung der Abwasseranlage bereits auf dem Gelände der Molkerei, denn in die Flotationsanlage dürfen nur die Produktionsabwässer und kein sanitär verschmutztes Wasser. Die Kosten für die notwendige Änderung der Anschlüsse betrifft die Molkerei selbst – von dort wurde aber bereits Bereitschaft signalisiert.

In der Diskussion ging es noch um Detailfragen, die aber allesamt beantwortet werden konnten. Eine Frage war beispielsweise die Platzierung der Flotationsanlage direkt am Standort der Molkerei, um so die Druckleitung einzusparen – allerdings müsste dann das Regenrückhaltebecken vergrößert werden, was auf jeden Fall teurer wäre. Insbesondere kann die Anlage deutlich besser überwacht werden, wenn diese am Standort der Kläranlage platziert wird.

Bürgermeister Klemens Izsak machte in der Sitzung klar, dass nicht nur die Produktionsausweitung der Molkerei Grund für die Änderungen ist – auch die rechtlichen Anforderungen an die Behandlung des Abwassers gerade im Blick auf die Belastung des Klärschlammes macht eine Anpassung des Betriebes notwendig.

Einstimmig fiel dann die Beschlussfassung für die vorgestellte Planung – im nächsten Schritt wird nun ein Antrag auf Fördermittel gestellt. Die Stadtverwaltung hofft auf eine Bezuschussung bis maximal 70 % der Kosten.