Sitzungsberichte

24. 4. 2018

Einzelhandel und Warenangebot in Schrozberg

Eine Untersuchung zur Sicherung und Stärkung der Existenz von Einzelunternehmen und kleinen Betrieben zur Erhaltung und Verbesserung der Versorgung mit Waren und Dienstleistungen hat der Gemeinderat ebenfalls in Auftrag gegeben. Mit einer solchen Untersuchung - der Begriff klingt sehr hochtrabend ? wurde zusammen mit der Stadt Niederstetten ebenfalls das Büro von Professor Günter Schöfl aus Ludwigsburg in Kooperation mit der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung mbH, kurz GMA, ebenfalls aus Ludwigsburg beauftragt. Die Ergebnisse wurden in einem Zwischenbericht zusammengetragen und in kleinen Arbeitsgruppen diskutiert.

Den Gemeinderäten beider Städte wurden nun die Zwischenergebnisse präsentiert. Danach bringen die reinen Zahlen nur sehr wenig neue Informationen. Die Kaufkraft liegt im mittleren Bereich, die Kaufkraftbindung am Ort liegt relativ niedrig, was darauf hindeutet, dass doch ein gewisses Potenzial nach Auswärts fließt. Das Warenangebot in Schrozberg ist gut gemischt und erfüllt auf jeden Fall überregionale Versorgungsfunktion. Im Vergleich musste die GMA feststellen, dass sich seit dem Jahr 2000 keine große Veränderungen im Blick auf die Verkaufsflächen der unterschiedlichen Branchenbereiche ergeben haben, dennoch sind doch vermehrt Leerstände festzustellen.

Und genau hier setzt die Tätigkeit der FSU, der Forschungsgruppe Stadt & Umwelt, auf. Markus Schöfl stellte als größtes Manko fest, dass Schrozberg durch die Verlagerung des Lebensmittelläden, die immer als Magnetbetriebe wirken, kein eigentliches Zentrum in Schrozberg auszumachen ist. Allerdings lässt sich ein solcher Magnetbetrieb im Innenort nicht mehr ansiedeln, da der Flächenbedarf hierzu nicht ausreicht. Der Marktplatz ist städtebaulich keineswegs als zentraler Platz zu sehen und erfüllt diese Funktion in der jetzigen Ausgestaltung in keinem Fall. Auch das Warenangebot der Schrozberger Geschäftswelt ist nicht nach außen hin oft nicht erkennbar ? man findet kaum Werbetafeln an den Geschäften oder Auslagen davor. Anhand etlichen Fotos machte er auf diesen Missstand ganz deutlich aufmerksam. Zudem ist der Innenbereich geprägt von relativ langen Wegen. Die Einkäufe, die in Schrozberg zu weit mehr als 90 % absolut zielgerichtet ablaufen, bringen kaum Fußgängerverkehr. Erlebniseinkaufen, so wie es die Kundschaft heute verlangt, ist nur dann ein Anreiz, wenn die Kundschaft auf das Angebot aufmerksam werden kann. Das geht aber nicht, wenn man im Auto vorbeirauscht.
Eine große Chance sieht Stadtplaner Schöfl darin, dass in Schrozberg die Ortsdurchfahrt neu überplant werden soll. Es sind zwar viele Geschäfte in der Situation, dass die Betriebsnachfolge erst vor kurzem geregelt wurde und sich durch Eigentumsverhältnisse wenig Möglichkeiten für Umlagerungen ergeben, allerdings bietet die Überplanung der Ortsdurchfahrt viele Möglichkeiten, den Innenort attraktiver zu machen und auch Erlebniseinkaufen zu ermöglichen. Insbesondere für den Marktplatz sieht Schöfl dringenden Handlungsbedarf.

Die Aktionen der Arbeitsgemeinschaft Schöfl/GMA sehen nun zwei Workshopveranstaltungen der beiden Städte zusammen vor. In diesen Veranstaltungen sollen Händler, Dienstleister und auch Kunden aufgerüttelt werden. Attraktive Einkaufsvoraussetzungen fangen bei einfachen Dingen wie Schaufenstergestaltung, Warenangebot und vielen anderen Kleinigkeiten an. Ein Runder Tisch der Händler und Dienstleister zusammen mit Kunden wäre das Ziel, damit sich eine positive Gesprächsbasis entwickeln kann und über die jetzt noch angeleiteten Aktionen hinaus wirken könnte.