Sitzungsberichte

21. 1. 2018
Heizwerk
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Klärschlamm in den Straßenbau ??

Ja, Sie lesen richtig, künftig soll der Klärschlamm tatsächlich für den Straßenbau verwendet werden können – so hat es der Schrozberger Gemeinderat in seiner letzten Sitzung beschlossen.
Doch das ganze hat natürlich eine Geschichte:

Zum 1. Juni ist ein Entsorgungsweg für Klärschlamm weggefallen, durch neue Anforderungen darf nämlich Klärschlamm nicht mehr auf eine Mülldeponie verfrachtet werden. Wäre nicht so dramatisch, es gibt ja zumindest zwei weitere Entsorgungswege, einmal in die Landwirtschaft, doch dieser Weg ist sehr steinig. Die Schlämme wie auch die landwirtschaftlichen Flächen müssen mittels Proben überwacht werden, und das kostet nicht gerade wenig. Zudem haben die Landwirte unter Umständen Probleme mit der Vermarktung ihrer Erzeugnisse, weshalb bei uns schon seit Jahren kein Landwirt mehr bereit ist, Klärschlamm auszubringen.
Derzeit wird der Schrozberger Schlamm gepresst, also mechanisch entwässert und per LKW in die neuen Bundeslänger verfrachtet, wo Braunkohleabbaugebiete damit aufgefüllt werden. Zum einen verteuern aber Autobahnmaut den Transport, zum anderen sind diese Auffüllflächen „endlich“, dh. dass dieser Entsorgungsweg bald wegfallen wird.

Die Stadtwerke Crailsheim haben sich daher für die Klärwerke in Crailsheim eine Lösung überlegt, von der auch die umliegenden Gemeinden profitieren könnten, nämlich die thermische Behandlung über Pyrolyseverfahren. Das Verfahren selbst ist relativ teuer, da der Energieaufwand für die zunächst notwendige Trocknung, die anschließende Verschwelung und dann das Abbrennen der Rauchgase nicht ganz unerheblich ist. Zusammen mit dem Steinbeis-Transferzentrum aus Heilbronn haben die Stadtwerke daher die Pyrolyeanlage mit einem Biomassenheizkraftwerk gekoppelt. Jürgen Hübner von den Stadtwerken Crailsheim und Steffen Gorzawski vom Steinbeis Transferzentrum erläuterten den Gemeinderäten die Vorteile und die Funktionsweise der Anlage. Insbesondere die Doppeleffekte machen das ganze so interessant: So kann die Abwärme der Holzverbrennung, mit der Strom produziert wird, zum Trocknen des Klärschlammes verwendet werden. Beim Abbrennen der Schwelgase aus dem Pyrolyseprozess kann ebenfalls wieder Energie gewonnen werden. Zudem entspricht die Anlage den Anforderungen des Gesetzes über Energie aus erneuerbaren Energieträgern, was derzeit eine Einspeisgarantie für die nächsten 20 Jahre verspricht. Am Ende des Pyrolyseprozesses kommt eine Art Asche, der so genannte Schwelkoks, heraus, die überwiegend aus Sand und anderen mineralischen Komponenten besteht und in der das Restprodukt nicht mehr wasserlöslich ist. Eine Verwendung zur Beimischung in den Asphalt für Straßenbau wäre also durchaus denkbar – so Jürgen Hübner von den Stadtwerken.

Sinn macht eine solche Anlage nur, wenn sie entsprechend dimensioniert wird, dazu reicht aber das Klärschlammaufkommen von Crailsheim nicht aus, deshalb suchen die Stadtwerke nun Partner. Die Beteiligung würde so aussehen, dass Kommunen, die mitmachen, 2 % des Stammkapitals - 40.000 € - bei der zu gründenden GmbH einlegen und eine Bürgschaft über weitere 180.000 € hinterlegen. In rund 20 Kommunen sind die beiden Experten bereits gewesen, und meist konnten sie das Einverständnis der Gremien gleich mitnehmen, eine Absage haben sie noch nirgends erhalten.

Auch in Schrozberg fiel der Vorschlag auf fruchtbaren Boden. Die Gemeinderäte hatten zwar Bedenken wegen Rückständen von Schwermetallen in der „Asche“ bzw. mit der Entstehung von Dioxinen bei der Verschwelung, mit der Einspeisgarantie für die produzierte Energie und vielem anderem. Diese Fragen und Bedenken konnten die Spezialisten fast vollständig ausräumen. Als sie dann noch die Beispielberechnung über die laufenden Kosten aufmachten, war die Entscheidung relativ leicht: derzeit wendet die Stadt Schrozberg rd. 70.000 – 80.000 € für das Pressen und die Entsorgung auf. Das Pressen von Klärschlamm wird zwar weiterhin notwendig sein und der Transport, zwar nur noch Crailsheim, muss auch sein.

Die thermische Behandlung soll nach der vorsichtigen Kalkulation der Stadtwerke rd. 77,50 €/to kosten, bei 500 to, die in Schrozberg so im Schnitt anfallen, wären das also 38.750 €. Damit rechnet die Verwaltung etwa mit den gleichen Kosten, eventuell sogar günstiger wie für den bisherigen Entsorgungsweg, wobei davon auszugehen ist, dass diese bisherigen Kosten zukünftig gewaltig steigen werden.

Der Gemeinderat sagte die Beteiligung der Stadt Schrozberg zu, die die Stadtwerke in ihrer Modellrechnung vorsieht, möglicherweise sogar mehr, falls nach den ganzen Gesprächen noch Finanzierungsanteile offen bleiben. Dadurch wird die Stadt Schrozberg Gesellschafter dieser Anlage, die ausschließlich in kommunaler Hand bleibt und nur für die kommunale Entsorgung entstehen wird und – das kommt letztlich als Bonbon noch dazu – jährlich eine Gewinnausschüttung auf die Einlage erhalten soll.