Sitzungsberichte

16. 12. 2017
Einzelhandelsuntersuchung
Einzelhandelsuntersuchung

Einzelhandelsuntersuchung - Ergebnisse dem Gemeinderat präsentiert

Ein gutes Jahr ist es nun her, dass die Arbeitsgemeinschaft der Forschungsgruppe Stadt und Umwelt zusammen mit der Gesellschaft für Mark- und Absatzforschung von den Gemeinderäten der Städte Niederstetten und Schrozberg den Auftrag zur Untersuchung der Einzelhandelsstruktur und das Aufzeigen von Verbesserungsmöglichkeiten erhalten hat. Bereits bei der ersten Präsentation der Zwischenergebnisse im Gemeinderat wurden die allgemeinen Daten und Kennzahlen im Gemeinderat aufgezeigt. Demnach liegt die Kaufkraftbindung in beiden Orten durchaus im Rahmen von vergleichbaren Städten, insbesondere was die Versorgung im Lebensmittelbereich angeht. Bei den „non-food“Artikeln allerdings bestehen erhebliche Defizite. Ebenso bei dem Besatz von Geschäften im eigentlichen Ortskern sind in beiden Städten deutliche Negativentwicklungen zu beobachten. In Schrozberg ist diese Ortskernfunktion nahezu nicht mehr erkennbar, es fehlt hier durch die Verlagerung des LIDL-Marktes in das Gewerbegebiet an einem so genannten Magnetbetrieb. Auch die Zahl der Ladengeschäfte zeigt deutlich einen Abwärtstrend, was das Angebot vor Ort angeht. Allerdings die Verkaufsfläche insgesamt hat im Ort zugenommen. Das entspricht aber auch der allgemeinen Entwicklung, bei der die Verkaufsfläche der Einzelbetriebe mehr wird, andererseits aber die Zahl der Geschäfte abnimmt.

Professor Günter Schöfl von der Forschungsgruppe Stadt und Umwelt sparte in der Präsentation die Zahlenergebnisse vor dem Gemeinderat weitestgehend aus, vielmehr erläuterte er die Ansatzpunkte, die es in beiden Städten gibt. Hierzu fanden zwei gemeinsame Workshoptermine, einmal in Schrozberg, einmal in Niederstetten statt, an der sich Geschäftsinhaber, Interessierte aus dem Kundenkreis sowie Vertreter der Gewerbevereine und Stadtverwaltungen beteiligten. Es wurden Interessengruppen gebildet, die unterschiedliche Ansätze diskutierten. Ganz klar kam dabei heraus, dass die Kunden über das bestehende Angebot informiert werden sollten und auch eine gemeinsame Werbeplattform geschaffen werden könnte.
Diese Idee ist schon sehr sehr konkret, denn noch im letzten Oktober wurde in Form der nun schon zweimal erschienen Stadtgespräche umgesetzt. Hier werden zum einen über Werbeanzeigen Kunden auf die Betriebe in der Raumschaft Niederstetten-Schrozberg hingewiesen, zum anderen werden pro Ausgabe bis zu vier Betriebe und deren Waren- und Dienstleistungsangebot vorgestellt.
Weitere Ansätze waren insbesondere für Schrozberg die Verbesserung der Ortskernstruktur, die mehr und mehr verloren geht. Die Freibereiche zwischen und vor den Geschäften sollten unbedingt kundenfreundlicher gestaltet werden. Das hieße breitere Gehwege, Halteverbote vor den Schaufensterflächen, vielleicht auch die Ansiedlung eines Cafe´s am Marktplatz, notfalls als Bürgercafe betrieben. Vorhandene Leerstände sollten kaschiert werden, indem die Schaufensterflächen von anderen Geschäftsinhabern mitgenutzt oder anderweitig optisch aufgewertet werden. Ein Leerstandmanagement und die Suche nach neuen Nutzern stehen ganz oben auf der Agenda.

Das alles ist nach Auffassung des Stadtentwicklers Schöfl nur möglich, wenn Händler und Dienstleister zusammen mit den Kunden eine Gesprächsbasis finden und Ideen weiterentwickeln, wie das Klima positiv gestaltet werden kann. Konkret hieße das, dass die Idee der Workshops weitergeführt wird, dass Kunden und Händler kontinuierlich zusammen kommen und Interessen wie auch Wünsche untereinander austauschen. Professor Schöfl bot im Zusammenhang mit der bisherigen Arbeit an, diese Interessengruppen nochmals zusammenzurufen und für die künftige Arbeit, die ohne die Beteiligung der beiden Büros laufen muss, zu rüsten.

Die Wortmeldungen im Gemeinderat waren sehr konträr. Einerseits wurde die bisherige Arbeit gelobt und als gut befunden. Kritisiert wurde die lange Zeitdifferenz zwischen den Workshops und der Präsentation der Ergebnisse, die Gruppen waren sehr aktiv und hätten gerne gleich weitergearbeitet.
Andererseits blieb aber auch Kritik nicht aus, insbesondere bei den Zahlen und Fakten wurden Daten zusammengetragen, die jedem bereits mehr als bewusst und bekannt sind. Zudem sind viele Vorschläge zwar richtig und auch gut, allerdings nicht umsetzbar. Z.B. das Fehlen eines Magnetbetriebes im Innenort, denn durch den Umzug des LIDL-Marktes ins Gewerbegebiet und den Bau des EDEKA-Marktes bei der LBV ist eine Lösung in diese Richtung nicht mehr realisierbar. Auch die Ansiedlung eines Cafe´s klappt nur dann, wenn entsprechende Betreiber gefunden werden können.

Zum Abschluss der Diskussion einigte sich das Gremium auf den Vorschlag von Professor Schöfl. Es werden also in Bälde die bisherigen Beteiligten der Workshops nochmals zusammengeholt und für die weitere Arbeit, die dann ohne fachliche Anleitung weitergehen soll, vorbereitet und gerüstet.