Sitzungsberichte

22. 4. 2018

Schrozberg wird familienfreundlich oder ist es gar schon ??

Im Zusammenhang mit den Haushaltsplanberatungen hat die Wahlgemeinschaft für Jedermann (WfJ) verschiedene Anregungen gemacht, die alle in die Richtung zielen sollten, nämlich in Schrozberg einen fruchtbaren Boden für Kinder und Jugendliche zu schaffen. Grund für diese Anregungen ist der demografische Wandel und die damit einhergehende stark sinkende Geburtenrate.
Auch die SPD-Fraktion hat einen Antrag gestellt, der die gleichen Beweggründe hat, demnach soll künftig der Bauplatzpreis um 2 € pro Kind und m2 günstiger angeboten werden – also ein gewisser Vorteil beim Grundstückskauf für Familien mit Kindern.

Bürgermeister Klemens Izsak hat diesen Themenkomplex in der vergangenen Sitzung des Gemeinderates aufgegriffen und umfangreiche Ausarbeitungen dazu vorgelegt. Das Problem liegt eindeutig in der Bevölkerungsentwicklung. Zwischenzeitlich bleibt ein Viertel der Bevölkerung kinderlos und die Geburtenrate pro Frau liegt noch gerade bei 1,3 Kindern durchschnittlich. Drastisch dabei ist aber nicht der Bevölkerungsrückgang, sondern vielmehr die gewaltigen Verschiebungen in der Altersstruktur. Im Jahr 2030 wird es mehr Sterbefälle als Geburten geben, dazu weniger Kinder und Jugendliche unter 20 als über 60-jährige und mehr Erwerbstätige im Alter zwischen 40 und 60 Jahren als zwischen 20 und 40.

Doch diese Entwicklung ist kein spezifisches Schrozberger Problem, sondern betrifft nahezu das gesamte Bundesgebiet. Deshalb bemüht sich die Bundes- und Landespolitik schon seit Jahren um bessere Bedingungen und Unterstützung für Familien. Die Stadt Schrozberg hat nach Auffassung von Bürgermeister Klemens Izsak ebenfalls sehr viel in diese Richtung unternommen. So findet jedes Kind im Alter von 3 – 6 Jahren einen Kindergartenplatz, die Schule wurde erweitert, die „Verlässliche Grundschule“ wird angeboten. Weiterhin ist die Stadt sehr stark engagiert in der Jugendarbeit: es gibt feste Mitarbeiter in der offenen Jugendarbeit und zahlreiche Räume für Jugendliche auch in den Teilorten. Auch die Baugebiete sind unter diesem Aspekt angelegt. Weitere Anreize sind spezielle Angebote in der Bücherei oder bei der Akademie sha-z.
Doch man kann sicher auch noch einiges machen, so schlug Bürgermeister Izsak dem Gemeinderat vor, eine Kinder- und Familienbroschüre zu erstellen sowie eine Beratungsstelle bei der Stadt einzurichten. Die Ermäßigung der Bauplatzpreise hat er ebenfalls aufgegriffen, Idee wäre auch ein Gutschein bei jeder Eheschließung für Bauplatzrabatt, Kinderbetreuung und ähnliches. Die Aufnahme von 2-jährigen Kindern im Kindergarten soll schon Thema der Bedarfsplanung für das Kindergartenjahr 2006/2007 sein.

Der Sprecher der WfJ lobte die Stadtverwaltung für die Ausarbeitungen. Auf Wunsch des Stadtoberhauptes erläuterte er nochmals die Intention der WfJ und betont dabei ausdrücklich, dass die Initiativen nicht einzeln, sondern gemeinsam angegangen werden müssen. So reicht es nicht, sich nur auf das Kindergartenangebot zu konzentrieren und die Schule außer Acht zu lassen, zudem gibt es wohl auch Parallelangebote zwischen Schule und Jugendzentrum.
Die SPD bekräftigte ihren Antrag mit dem Hinweis, dass die Idee schnell umgesetzt werden muss, damit sich auch schnell etwas bewegt.

Die beiden anderen Ratsfraktionen sehen die Umsetzbarkeit des Preisrabattes etwas kritisch, so sollte nach Meinung der CDU auch die Familie gefördert werden, die sich nur eine Eigentumswohnung kauft oder gar nur das eigene Anwesen umbaut. Allerdings könnte das auch fast schon wieder zu weit gehen - ähnlich werfen die Freien Wähler kritisch ein, ob ein Preisrabatt tatsächlich ausschlagend sein wird, ob ein Bauplatz verkauft wird oder nicht bzw. sich dieser Rabatt bloß als reiner „Mitnahme“-Vorteil zeigt.
Eine weitere Wortmeldung aus der Reihe der CDU zielte in eine ganz andere Richtung: eine positive Entwicklung kann es nämlich nur dann geben, wenn ausreichend Arbeitsplätze am Ort angeboten werden können – alles andere kommt dann mehr oder weniger von allein. Deshalb sollte die Stadt das Potenzial in die Ansiedlung von Gewerbebetrieben investieren.

Weitere Themen waren noch ein verbesserter Personalschlüssel im Kindergarten, wobei sich nach Meinung des Stadtoberhauptes durch die zurückgehenden Kinderzahlen dieser Effekt automatisch ergeben wird. Arbeitskreise, Analysen und Befragungen, ein weiterer Vorschlag der WfJ stieß sowohl beim Bürgermeister als auch bei den Fraktionen CDU und Freie Wähler nicht auf große Gegenliebe – dazu gibt es schon zu viele Erfahrungen zur Aussagekraft von Erkenntnissen, die man auf diesem Weg gewonnen hat.

Der Gemeinderat verständigte sich nach der ausführlichen Aussprache darauf, dass zunächst jede Fraktion intern die Vorschläge nochmals diskutiert, vielleicht auch die Bevölkerung zu den angesprochenen Problemfeldern befragt und anhört. Erst in einer der folgenden Sitzungen sollen konkrete Entscheidungen gefällt werden.