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Ortsdurchfahrt Schrozberg
Ortsdurchfahrt Schrozberg
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Ortsdurchfahrt Schrozberg – erste Planung im Gemeinderat vorgestellt

Architekt Armin Hauenstein und sein Partner Martin Schäfer erläuterten bei der letzten Sitzung des Schrozberger Gemeinderates ihre Ausarbeitungen zur beauftragten Umgestaltung der Ortsdurchfahrt in Schrozberg. Dieses Thema beschäftigte den Gemeinderat und viele Zuhörer doch etwas länger, entsprechend länger ist auch unsere Berichterstattung, deshalb vielleicht das wichtigste voraus, aber lesen Sie ruhig auch den Rest:

Die vier Gemeinderatsfraktionen sollen sich nach der ersten Vorstellung mit der Planung beschäftigen. In der ersten Sitzung nach der Sommerpause wird dieses Thema erneut auf der Tagesordnung stehen. Die jetzt spontanen Vorschläge und Anregungen sollen ergänzt und natürlich diskutiert werden, so dass daraus ein Planung resultiert, mit der die Stadtverwaltung die Finanzierung sowie Fördermöglichkeiten ausloten kann. Bürgermeister Klemens Izsak geht davon aus, dass die Umsetzung der Planung nur abschnittsweise erfolgen kann und hält einen Zeitraum von 10 Jahren als realistisch. Zu den reinen Baukosten kommen zudem noch die Kosten für die Erneuerung von Kanal und anderen Leitungen.

Hier aber nun unser ausführlicher Bericht:
Schon im letzten Jahr hat der Gemeinderat in mehreren Sitzung dieses Thema diskutiert und letztlich das Büro Hauenstein & Schäfer aus Untermünkheim mit einem Planungsentwurf beauftragt – nur zur Ergänzung: Dieses Büro hat bereits mehrere Projekte für die Stadt Schrozberg geplant, so z.B. die Gestaltung der Außenanlagen beim Rathausumbau oder die gesamte Platzgestaltung bei Schule/Halle, Feuerwehr und Kindergarten.

Nicht nur für die zahlreichen Zuhörer benannte Bürgermeister Klemens Izsak die bestehenden Probleme im Bereich der Schrozberger Ortsdurchfahrt. Größere Schäden am Straßenbelag, marode Fahrbahnrandbegrenzungen, mangelhafte Gehwegbreite und viele Rollstuhl- und Kinderwagen ungeeignete Übergänge vom Gehweg zur Straße sind schon lange Kritikpunkte. Weiter soll erreicht werden, dass nach dem Bau der Umgehungsstrecken der Durchgangsverkehr auf diese Ausweichstrecken „verdrängt“ wird. Zudem bietet sich die Gelegenheit, aus dem Marktplatz und dem Bahnhofsvorplatz etwas „Tolles“ zu machen.

Das waren dann auch die Bereiche, die Architekt Armin Hauenstein zuerst vorstellte. Mit dem Bereich vor der Kirche schwebt ihm vor, einen richtigen Platz daraus zu machen. Dazu muss der Fahrbahnbereich um gut 20 cm angehoben werden, was den positiven Effekt hat, dass die Kirche barrierefrei erreicht werden kann. Der gesamte Platz sollte mit kleinformatigen Granitpflasterplatten belegt werden, die Fahrbahn ebenfalls – so bekommt man einen verkehrsberuhigten Bereich, wobei kurzzeitiges Parken immer noch zulässig bleiben sollte. Der Platz selbst wäre relativ groß und könnte mit kastenförmig zugeschnittenen Linden aufgelockert werden.

Ein zweiter Bereich mit viel planerischem Potenzial ist die frühere Ladestraße sowie der Vorplatz am Bahnhof, den Hauenstein zunächst zum Bahnkörper hin mitttels einer Hainbuchenhecke abtrennen möchte – natürlich nur außerhalb des Bahnsteigbereiches. Die Straße könnte gesäumt werden durch die Pflanzung von Kastanien und so einen Alleecharakter erhalten. Vor dem Bahnhof sollte aber dann ein kleiner Teil des Vorplatzes gepflastert werden, um so die Länge der Straße optisch zu unterbrechen. Die Einfahrt zum Bahnhof aus der Bahnhofstraße könnte mit anlegten Pflanzbändern aufgewertet werden.

Die Straßenbereiche bieten weniger Gestaltungsmöglichkeiten, insbesondere auch deshalb, weil natürlich die Verkehrsführung vorgegeben ist. Allerdings sollen die Fahrbahnbreiten zugunsten von Fußgängerbereichen zurückweichen. Die Trennung von Fahrbahn und Fußgängerwegen soll mittels eines Kandelbordsteines erfolgen. Die Übergänge von Gehweg zur Fahrbahn sind alle behinderten- und kinderwagengerecht ausgestaltet. Abschnittsweise – der gesamte Plan umfasst mehr als 2,5 Kilometer Straßenbereich – erläuterte Martin Schäfer die Planungsvorschläge für die Straßengestaltung. So sollen bei der Bahnhofstraße vor der Tankstelle wie auch vor der südlichen Häuserzeile Pflanzbeete entstehen, die das gesamte Erscheinungsbild attraktiver werden lassen. Am Ortseingang von Niederstetten kommend soll die Obstbaumpflanzung ergänzt werden. Die Einmündung zur Windmühlenstraße soll etwas zurückgebaut werden. Auch die Einmündung zur Weststraße würden die Planer umlegen und zurückbauen, zur Gestaltung könnte die Fläche, auf der momentan noch ein Werkstatt-/Lagergebäude steht, eine Neuordnung erfahren. Im weiteren Verlauf sieht die Planung einen Parkstreifen vor dem Elektrogeschäft vor, auf dem längsparkend 3 Fahrzeuge Platz finden. Die Fahrbahn der Oberstettener Straße hat auf der Höhe des Gasthauses Lamm noch eine Fahrbahnbreite von 5 Metern, was von Seiten der Planer ganz klar heißt: bei Begegnungsverkehr von größeren Fahrzeugen ist hier Vorsicht angesagt. Die Straßenführung an der jetzigen Engstelle vor der Metzgerei könnte durch die Verlegung der Fahrbahn etwas entspannt werden, insbesondere würden dadurch die Sichtverhältnisse für den Straßenverkehr deutlich verbessert werden.

An der Einmündung zum Marktplatz soll die Gestaltung signifikant erfolgen, den Planern schwebt eine Art Emblem in der Straße durch die Verwendung von gefärbtem Asphalt vor – allerdings sah das Straßenbauamt diesen Vorschlag eher stirnrunzelnd. Es geht die Straße weiter Richtung Ortsausgang nach Blaufelden. Hier würden der Längsparkstreifen vor Apotheke und Fittnessstudio bleiben, allerdings mit einem Pflasterbelag. Die Parkplätze vor dem Schleckermarkt sollte aufgrund der schlechten Sichtverhältnisse ebenfalls als Längsparkstreifen umgestaltet werden, der Gehweg wäre vor dem Gebäude dann auch besser nutzbar. Die Einfahrt zur Speckheimer Straße wird in Richtung des jetzt erst abgerissenen Gebäudes verlegt. Dadurch könnte auch dort ein attraktiver Grünbereich geschaffen werden und vor allem wäre die Verkehrsführung geordneter als jetzt. Auch private Maßnahmen wurden in die Überlegung einbezogen, Martin Schäfer kann sich hier ein paar schöne Dinge der Anwohner in der Blaufeldener Straße vorstellen, die entsprechend große Höfe haben. Die engste Stelle der Fahrbahn wird auf der Höhe des alten Friedhofes ebenfalls wieder nur 5 Meter betragen, allerdings braucht man hier die Fläche unbedingt für einen ausreichenden Gehweg.

Letzter Abschnitt der Planung ist vom Marktplatz in Richtung Krailshausen. Hier sind die Vorschläge der Planer eher zurückhaltend. Für etwas Diskussionsstoff sorgte der Vorschlag der Planer, die Mauer als Abgrenzung zum Gailwiesle etwas niedriger zu machen und insbesondere die Planztrogrinne auch zum Schutz der Mauer vor Frosteinwirkungen zu entfernen. Aus der Mitte des Gemeinderates kamen Bedenken auf, dass die Kinder vom Spielplatz dann über die Barriere hinwegspringen könnten. Auch in diesem Abschnitt ist wieder ein Rückbau des Straßenbereichs vorgeschlagen, nämlich die Einmündung zum Heerweg/Schorrenweg könnte etwas günstiger gestaltet werden. Weitere Vorschläge waren ein Grüngurt auf dem noch abzureißenden Anwesen gleich im Einmündungsbereich, sowie Abstandsgrünflächen entlang dem Anwesen des Bauunternehmens Deeg. Dort könnte auch ein Gehweg vorgesehen werden.

Die Baumpflanzungen im gesamten Bereich der Ortsdurchfahrt sollen einheitlich mit Stadtbirne oder japanischer Zierkirsche erfolgen.

Die Kosten schätzt das Büro Hauenstein & Schäfer auf rd. 3,26 Mio. €. Allerdings können die Arbeiten zur Umsetzung immer nur abschnittsweise vorgenommen werden. Bürgermeister Klemens Izsak wies zudem darauf hin, dass auch noch keinerlei Fördermöglichkeiten ausgelotet wurden, dies wird die Verwaltung mit der groben Entwurfsplanung machen können. In der Diskussion im Gemeinderat ging es um eine ganze Reihe von Fragen und Anregungen, die die Planer beantworten sollten. Eine Wortmeldung beschäftigte sich mit dem Schwerverkehr, der trotz vorhandener Umfahrungen immer noch durch den Ort donnert, einige Anwohner der Hauptverkehrsadern waren anwesend und konnten diese Wortmeldung nur unterstützen. Bürgermeister Klemens Izsak konnte nur resignierend auf die bisherigen Versuche der Stadtverwaltung verweisen. Allerdings ist er sicher, dass nach dem Rückbau der Fahrbahnen innerhalb der Ortsdurchfahrt doch sicher noch viel mehr Schwerverkehr verdrängt werden wird – auf jeden Fall wird eine deutliche Geschwindigkeitsreduzierung erreicht werden.

Es kamen auch zahlreiche Vorschläge zu Änderungen in der Planung wie beispielsweise ein Längsparkstreifen vor dem Ärztegebäude in der Krailshausener Straße, aber auch kritische Anmerkungen zu den Pflegekosten der zusätzlich entstehenden Grünflächen oder zu den zurückzubauenden Einmündungsbereichen.

Auch die zahlreich erschienen Zuhörer kamen zu Wort und konnten ihre ersten Vorstellungen zur künftigen Gestaltung äußern. Die Stadtverwaltung wird aber noch ausreichend Möglichkeiten bieten, damit sich insbesondere die Betroffenen mit den Planungsdetails beschäftigen können. Unter Umständen können aber Planungseinzelheiten erst festgeklopft werden, wenn ein bestimmter Bereich angegangen werden soll, die jetzige Planung hat den Charakter einer Entwurfsplanung. Bürgermeister Klemens Izsak wies ausdrücklich darauf hin, dass einer solchen Gesamtplanung keine Details festgelegt werden können und sollen. Auf seinen Vorschlag hin könnten die Arbeiten am Marktplatz beginnen, und so würde man sich Stück um Stück weiter voran arbeiten – und vorher entsprechend im Detail planen.

In der Sitzung nach der Sommerpause wird man sich im Gemeinderat weiter mit der Planung beschäftigen.