Sitzungsberichte

24. 1. 2018

Jugendarbeit, Aufgabenerfüllung im Wandel der Zeit

In der letzten Sitzung legten die beiden Jugendsozialarbeiter Doro Grönsfelder und Claus Mönikheim, dem Gemeinderat den Bericht des Güterschuppens Schrozberg über die Aktivitäten in den Jahren 2006 und 2007 vor.

Schon an der Namensgebung des Güterschuppens werden die inhaltlichen Veränderungen in der Jugendarbeit deutlich. Bezeichnete sich der Güterschuppen früher als Zentrum für Jugend und Kultur, lautet die Namensgebung seit 2006: Güterschuppen Schrozberg –Zentrum für Freizeit und Bildung-.

Seit der Pisastudio und den Prognosen zukünftiger Entwicklungen in Bezug auf den Facharbeitermangel, ist die Bildungsdiskussion in den Fokus all derjenigen Institutionen gerückt, welche an der Erziehung von Jugendlichen beteiligt sind. Während noch vor einigen Jahren die Kulturarbeit wie z.B. durch Veranstaltungen und Konzerte, dazu beitragen sollte, das Interesse für den Besuch des Güterschuppens zu wecken, steht heutzutage die Vorbereitung auf Ausbildung/Beruf verstärkt im Vordergrund. Für das berufliche und auch persönliche Weiterkommen der Jugendlichen ist in der heutigen Zeit ein guter Schulabschluss unabdingbar. Leider können viele Eltern aus familiären, finanziellen oder strukturellen Gründen, ihrer elterlichen Erziehungspflicht nicht mehr im erforderlichen Maß gerecht werden (einige Eltern wollen dieser Pflicht leider auch nicht mehr nachkommen). Folgedessen bleiben die Jugendlichen häufig sich selbst überlassen. Es fehlen die notwendigen Hilfestellungen wie z.B. bei der Hausaufgabenbetreuung und bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen. An diesem Punkt hat die Arbeit des Teams vom Güterschuppen angeknüpft, wobei auf die Kooperation mit der Schule Schrozberg großen Wert gelegt wird.

Bildung in der Jugendarbeit ist Bildung außerhalb der Schule. Sie ist freiwillig und damit in aller Regel nachhaltiger. Jugendliche finden heraus, was ihnen liegt und wo ihre Grenzen sind. Die Jugendarbeit hält hierfür Raum, Zeit und Beratung bereit. Jugendarbeiter stehen als Partner zur Verfügung, achten auf Spielregeln und hören zu, wenn etwas auf den Nägeln brennt. Tipps von Jugendbetreuern, aber auch von den älteren Jugendlichen, werden anders angenommen als Hinweise von Eltern und Lehrern.

Müssen Sie als Leser jetzt schmunzeln und denken an Ihre eigene Jugend und die gutgemeinten Ratschläge Ihrer Eltern zurück? Heranwachsende können mit Hilfestellungen von Jugendarbeitern leichter umgehen, weil sie an der Basis sind. Jugendarbeiter bleiben offen für alles Neue. Sie übergeben Kindern und Jugendlichen die Verantwortung für ihr Tun und Lassen. Jugendliche machen Erfahrungen und wachsen heran. Sie finden bei ihrem Jugendarbeiter ein strukturiertes Angebot und tolerante Beratung auf Augenhöhe.

Das Bildungsangebot der vergangenen Jahre umfasste im Einzelnen:

Hausaufgabenbetreuung (HAB)

Die Hausaufgabenbetreuung (HAB) erfolgt seit 1996 und war eines der ersten Angebote der Offenen Jugendarbeit in Schrozberg. In der HAB wird mit einer Gruppe von ca. 7 bis 10 Schülern (derzeit der Klassen 5 bis 7), gearbeitet. Bei der HAB werden die Ziele, Erledigen der Hausaufgaben und Lernen von sozialen Kompetenzen in der Gruppe verfolgt. Da es sich teilweise um verhaltensauffällige Kinder handelt, ist der Betreuungsaufwand sehr hoch.

Lernwerkstatt für Schulabgänger

Dieses Angebot findet seit Sommer 2006 jeweils mittwochs und donnerstags, parallel zur HAB, statt. Es ist u.a. eine individuelle Einzelförderung, die am jeweiligen Wissensstand der Schüler anknüpft. Die Schüler werden in den Fächern Mathematik, Englisch und Deutsch auf die Prüfungen vorbereitet. Das Angebot ist sehr zeitintensiv, weshalb die Teilnehmerzahl auf ca. 10 Schüler begrenzt ist.

Angebot Übergang Schule-Beruf

Hierbei werden die Schulabgänger bei der Orientierung bezüglich ihrer Berufswünsche und –ziele unterstützt. Die Jugendarbeiter gehen frühzeitig auf die Schüler der Klassenstufen 7 bis 9 der Hauptschule zu. Gezielt wird das Gespräch über deren berufliche Vorstellungen gesucht. Die Jugendarbeiter geben Unterstützung z.B. bei Bewerbungsschreiben und Vorstellungsgesprächen und haken im Bedarfsfall auch mal bei den Jugendlichen nach.

Mädchenbildungsreise Berlin

In Zusammenarbeit mit dem Jugendcafe Kirchberg konnten die Jugendlichen bei einem viertägigen Ausflug im Mai 2007 Eindrücke einer Bundeshauptstadt mit Regierungssitz gewinnen. Neben Informationen zu der geschichtlichen Vergangenheit, konnte die Stadt z.B. durch eine arabisch begleitete Stadtführung im „arabischen“ Berlin, auch als multikulturelle Begegnungsstätte wahrgenommen werden. Das Zurechtfinden in einer Großstadt (Benutzung von U-/S-Bahn, Lesen von Stadtplänen, Gefahren einschätzen) will geübt sein; Stichwort „Lebensweltorientierung“.

Übrigens, wann standen Sie das letzte Mal hilfesuchend vor einem Fahrkartenautomat, während Ihnen gerade die S-Bahn vor der Nase davongefahren ist?!

Streetdance Contest 2006/2007

Diese Veranstaltung läuft seit 4 Jahren in Kooperation mit dem Jugendcafe Kirchberg und gehört mittlerweile zu den großen Tanzveranstaltungen der Jugendhäuser in Baden-Württemberg. Ein Tanzwettbewerb stärkt das Selbstbewusstsein und trägt dazu bei, die Präsentation der eigenen Person, z.B. im Vorstellungsgespräch, sicherer anzugehen.

Funsport

Aus der Fun-Sport-Nacht hat sich zwischenzeitlich ein wöchentliches sportliches Angebot entwickelt. Es zielt darauf ab, Jugendliche durch Sport von der Straße zu holen, ihnen die Möglichkeit zu bieten, sich auszupowern und über den Sport positive Bestätigung zu finden. Seit Januar 2007 findet dieses Angebot wöchentlich dienstags in der Sporthalle statt. Durchschnittlich nehmen 12-20 Jugendliche teil. Es werden überwiegend kleine Hallenfußballturniere durchgeführt.

Ein weiteres Aufgabenfeld des Güterschuppens ist die sog. Erlebnispädagogik. Durch Aktivitäten wie Klettern, Kistenstapeln, Kanufahren, Radtouren und Zelten erfahren, lernen und akzeptieren die Jugendlichen ihre Grenzen. Außerdem ist Teamwork gefordert.

Wie bereits erwähnt, steht auch die Kooperation des Güterschuppens mit der Schule im Vordergrund. Daraus hat sich u.a. die jährliche Putzaktion (Befreiung des Stadtgebietes von Unrat) entwickelt. Durch gemeinsame Schüleraktionen soll der Klassenzusammenhalt gefördert werden. Ferner erfolgt ein monatlicher Austausch zwischen Schulleitung und Jugendarbeitern, welche zusätzlich von den Lehrern auf schwierige Schüler hingewiesen werden.

Um die Vorbereitung auf Ausbildung/Beruf weiter zu intensivieren, fand am Freitag, den 14. März ein Planspiel statt. Unter Einbeziehung von Berufsinformationszentrum, weiterführenden Schulen Crailsheim und verschiedenen Firmen konnten die Achtklässler der Hauptschule ihre Grenzen austesten. Im Hohenloher Tagblatt vom 18. März wurde hierüber ausführlich berichtet.

Im weiteren Vortrag wurde auch auf die künftige Schulsozialarbeit eingegangen. Es ist wichtig, ein Bindeglied zwischen Schule und Güterschuppen zu schaffen, eine Anlaufstelle zwischen Schule (vormittags) und Güterschuppen (abends) zu haben. Dabei soll Unterstützung bei der Lebensbewältigung gewährt werden, sei es nun durch Hilfestellungen beim „Zurückfinden in die richtige Spur“ oder durch Unterstützung bei der Arbeitsplatzfindung oder bei der Auswahl weiterführender Schulen.

Hierbei stehen Präventionsarbeit (Sucht-, Gewalt-, Aggressionsprävention), Berufsperspektiven, soziales Kompetenztraining genauso im Vordergrund wie z.B. Klassenübergreifende Projekte (Unterstützung in schwierigen Klassen), Konfliktbewältigung und Schülerberatung auf Augenhöhe.

Der Bericht wurde von den Gemeinderäten sehr positiv aufgenommen. Aus der Mitte des Gemeinderates kamen u.a. Anfragen zum prozentualen Besucheranteil (Ausländer/Aussiedler/Einheimische). Seitens der Jugendarbeiter konnte hierzu sehr schnell Entwarnung gegeben werden. Während es früher oftmals Probleme zwischen den einzelnen Besuchergruppen gegeben hat, spielt das Kriterium der Herkunft bei den Jugendlichen (allerdings nicht bei den Eltern) zwischenzeitlich keine Rolle mehr.