Sitzungsberichte

20. 1. 2018
Gemeinderat geht in den Wald
Gemeinderat geht in den Wald

Gemeinderat geht in den Wald

Alle 10 Jahre beschäftigt sich ein Gemeinderat ausführlich mit dem Thema Wald und Forst, denn aufgrund der gesetzlichen Vorschriften muss für die Waldflächen, die im Eigentum einer Kommune stehen, ein Plan für die nächsten 10 Jahre erstellt werden. Für den Stadtwald Schrozberg hat als Forsteinrichter Thomas Lehn vom Regierungspräsidium Tübingen die Planung erstellt. Nach einer kurzen Erläuterung über die rechtlichen Bedingungen startete das Schrozberger Gremium mit einem kleinen Rundgang durch zumindest 2 Flächen im Stadtwald. Mit dabei waren der Leiter des Forstbezirkes Crailsheim Franz Köberle und Revierförsterin Waltraud Leinen.



Thomas Lehn ist Fachplaner für Forstentwicklung beim Regierungspräsidium und durch seine langjährige Erfahrung absoluter Fachmann. Bei seiner Erläuterung holte er insbesondere für die neuen Mitglieder im Schrozberger Gemeinderat etwas weiter aus. Die neue 10-Jahres-Planung oder das Forsteinrichtungswerk, so der Fachjargon dazu, sieht keine gravierenden Neuerungen vor. Die Bestände der Stadt Schrozberg haben sich bereits in den letzten Jahren durch die Probleme bei Fichtenbeständen gewandelt. Bei Nachpflanzungen auf betroffenen Flächen wurde auf andere Holzarten gesetzt. Künftig soll aber der Fichtenbestand wieder etwas mehr Bedeutung gewinnen. Charakteristisch für den Stadtwald ist auch, dass sich die Alterstruktur der Bäume bis meistens 60 Jahre erstreckt. Grund dafür ist die Kriegs- und Wiederaufbauzeit, in der wohl viel Holz geschlagen wurde und vermutlich auch die Aufforstung von Schafweideflächen Ende der 50er Jahre. Problem dabei ist, dass in solchen relativ jungen Beständen noch viele Pflegemaßnahmen durchgeführt werden müssen, die nur wenig Ertrag bringen. Richtiges Geld für Holz gibt es erst dann, wenn Stämme für die Wertholzsubmissionen taugen. Entsprechend der Holzmarktentwicklung sollte den Holzarten Eiche, Esche und Douglasie der Vorrang eingeräumt werden. Erfreulich für die Forstleute, aber auch die Stadt als Waldeigentümer ist die Beständigkeit des Preises am Brennholzmarkt. Die immer noch steigende Nachfrage sorgt dafür, dass auch bei „Säuberungsaktionen“ im Wald etwas in die Stadtkasse kommt.

Im neuen „Forsteinrichtungswerk“ wird insbesondere der Einschlag sowie Pflanz- und Pflegemaßnahmen für die kommenden 10 Jahre festgelegt. Die Detailplanung immer auf ein Jahr bezogen sowie die Umsetzung der Planungen ist dann die Aufgabe von Revierförsterin Waldtraud Leinen, die den Stadtwald seit dem letzten Jahr betreut und den Gemeinderäten zwei Bestände etwas genauer erläuterte. Zuerst ging es dazu in den Murrenberg bei Krailshausen und jeder auch Nicht-Forstfachmann konnte gleich sehen, dass die Waldarbeit dort wegen der Hanglage sehr beschwerlich sein muss. In diesem Waldstück wurde vor kurzem eine Pflegemaßnahme durchgeführt. Aufgrund der Lage hat sich dort das Laubholz durchgesetzt, bei der Aufforstung war es ein Mischbestand.
Eine zweite Station machte der Gemeinderat im Walkberg bei Ettenhausen. Dort wurden Eschen und Ahorn auf einer Hangwiese aufgeforstet. Das Waldstück entwickelt sich gut und der Zuwachs ist beachtlich. Försterin Waltraud Leinen erläuterte auch hier den Pflegeaufwand, der insbesondere bei den gabelig wachsenden Eschen unheimlich wichtig ist.

Besonders interessant waren die Bemerkungen des Forstplaners Thomas Lehn zur Zukunft im Wald, denn durch die Klimaveränderungen wird es zwangsläufig zu Auswirkungen im Forst kommen, die heute noch keiner genau abschätzen kann. Bei einer Erwärmung um nur 2 Grad wird sich schon einiges im Baumbestand ändern - bei einer Erwärmung um 6 Grad wird sich gravierendes ändern, weil dann viele Bäume verdorren werden – und in dieser Spanne liegen die Prognosen der Klimawissenschaftler.

Nachdem die Stadt Schrozberg rd. 88 Hektar Waldfläche bewirtschaftet wird sich das Gremium mit der Entwicklung im Forst regelmäßig beschäftigen.