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Hauptschule im Wandel - oder Irrungen und Wirrungen

In seiner letzten Sitzung informierte Bürgermeister Klemens Izsak und Konrektor Achim Meindel von der Schrozberger Schule den Gemeinderat über den aktuellen Diskussionstand bezüglich der Zukunft der Hauptschule.

Wo nun der Zug hingehen wird, ist absolut nicht vorauszusehen. Die Landespolitik hat im letzten Herbst erst verkündet, dass die Hauptschule zwar erhalten bleibt, es aber keine Hauptschulempfehlung mehr geben soll. Es waren nur noch Empfehlungen für Gymnasium, Realschule und Werkrealschule vorgesehen. Das war der Grund, warum sich im Herbst Bürgermeister und Schulleiter der umliegenden Gemeinden auf Einladung von Schrozberg zusammenfanden, um gemeinsam mit der Schulaufsichtsbehörde die Zukunft zu entwickeln.

Es wurde die Gefahr gesehen, dass dann die Hauptschulen zum Aussterben verurteilt werden. Die neuen Werkrealschulen, die zukünftig in anderer Ausgestaltung als bisher eingerichtet werden sollen und das Angebot der Hauptschulen flankieren, müssen 2-zügig sein, d.h. mit 2 Klassen pro Jahrgangsstufe geführt werden. Die derzeit vorhandenen Hauptschulen vieler Gemeinden sind aber einzügig, dh. es gibt nur eine Klasse pro Jahrgangsstufe. Damit ist vorgegeben, dass sich die Kommunen zu Kooperationen zusammenfinden müssen.

Das war auch Ziel der Zusammenkunft, wobei sich dabei noch nicht so recht etwas bewegte, da keine Kommune ihren Schulstandort aufgeben will. Bei diesem Treffen gingen die Bürgermeister und Schulleiter mehr oder weniger ergebnislos auseinander. Das Land gab aber neuen Gesprächsstoff, denn schon Tags drauf war in der Zeitung zu lesen, dass es auch künftig Hauptschulempfehlungen geben wird und keine Hauptschule gegen den Willen des Schulträgers geschlossen wird.

Jetzt könnte man sich wieder getrost zurücklehnen – doch das Gerangel geht damit erst richtig los. Die Werkrealschule in neuer Form soll es ab dem Schuljahr 2010/2011 nämlich trotzdem geben, und zwar in der vorgegebenen Form, also zweizügig. Diese Schulform steht den Schülern als Wahlschule offen, das heißt man kann sich dort anmelden, ohne an Bezirksaufteilungen gebunden zu sein.

Bürgermeister Klemens Izsak und auch die Schulleitung der Grund-, Haupt- und Realschule Schrozberg befürchten nun ein „Aushungern“ der Hauptschule. Die künftigen Werkrealschüler werden fehlen und damit bleiben unter Umständen nicht genügend Schüler für den Betrieb der Hauptschule. Dazu kommt noch die demografische Entwicklung und der damit einhergehende Rückgang der Kinderzahlen. Dies wird die umliegenden Hauptschulen natürlich in gleicher Weise betreffen.

Bei der Diskussion in der Ratsrunde wurde schnell klar, dass dieses Schulmodell in den Ballungsräumen funktionieren kann, nicht aber in den ländlichen Gebieten. Bürgermeister Izsak sieht die Entwicklung dergestalt, dass 2 von 3 Hauptschulen „zumachen müssen“. Die Idee dazu wäre eine Verbundschule, die alle Möglichkeiten an einem Schulstandort offen lässt und die unterschiedlichen Schularten bis zu einem gewissen Grad „gegenseitig durchlässig“ sind. Dies ist aber ganz klar nicht politischer Wille der Landesregierung. Eine Wortmeldung ging dahin, die Abgeordneten auf dieser politischen Ebene entsprechend aufzuklären und Druck zu machen. Bei der Umstellung des gymnasialen Schulweges wurde auch nicht gerade die beste Lösung gefunden, das sollte sich jetzt keinesfalls wiederholen. Allerdings – so eine weitere Wortmeldung – hat die Politik die Hauptschule bereits „totgeredet“.

Eine andere Wortmeldung brachte ebenfalls eine klare Botschaft, denn andere Bundesländer haben bereits funktionierende Schulmodelle, als Beispiel das Land Sachsen. Die Landesregierung sollte nun mutig eine Schulreform in die Richtung anpacken, die anderswo schon läuft und funktioniert.

Mit den letzten Wortmeldungen wurde klar, dass man keinesfalls abwarten dürfe, sondern aktiv in die Entwicklung eingreifen muss. Nach dem jetzigen Stand wird das neue Modell der Werkrealschule im Schuljahr 2010/2011 eingeführt, und dann sollte man gerüstet sein.

Dazu passte der Schlussappell von Konrektor Achim Meindel: Derzeit sind viele Schulstandorte in ihrer Existenz bedroht. Deshalb ist es wichtig, den Schulen den Rücken zu stärken, denn für eine ländliche Gemeinde ist die Schule ein wichtiger Standortfaktor.