Sitzungsberichte

24. 1. 2018

Breitbandausbau wird zur Mammutaufgabe

Schon seit geraumer Zeit beschäftigen sich Stadtverwaltung und Gemeinderat mit dem Ausbau der Breitbandversorgung. Der Zugang zum Internet ist heute wichtiger denn je. Für viele Privathaushalte ist es heute nicht mehr wegdenkbar und bei Betrieben ist der Zugang zum Internet sogar existentiell. Damit wird ein guter Internetzugang vielfach ein wichtiges Kriterium für Standortentscheidungen.

Schon im Jahr 2015 wurde das gesamte Stadtgebiet untersucht. Das Ergebnis war, dass nur an ganz wenigen Flecken, nämlich um Schrozberg, Bartenstein, Schmalfelden, Spielbach und Windisch-Bockenfeld ein Internetzugang mit 50 Mbit/sec. möglich ist. In allen anderen Bereichen sind bedingt durch die vorhandene Verkabelung allenfalls 16 Mbit/sec. oder weniger möglich.

Die Verantwortlichen in der Politik bei Bund und Land haben die Brisanz ebenfalls erkannt und gehandelt. Mit Fördermitteln wird daher der notwendige Ausbau unterstützt. Verfahrenstechnisch muss dazu zunächst eine Ausbauplanung in Auftrag gegeben werden. Die Stadt Schrozberg hat hierzu einen Antrag auf Fördermittel des Bundes gestellt und bewilligt bekommen, sogar zu 100 %.

Das Ingenieurbüro IPE aus Schwäbisch Hall hat diese Planung zwischenzeitlich fertiggestellt. Ingenieur Marcus Eissing erläuterte den Gemeinderäten bei der letzten Sitzung seine Ausarbeitung. Dabei geht es zunächst um die Festlegung des Verfahrens, das zwei Alternativen zulässt. Einerseits können die Internetdienstanbieter direkt mit beteiligt werden, so dass die für den notwendigen Ausbau des Netzes sorgen und dafür eine Kostenunterstützung erhalten – das sogenannte Wirtschaftlichkeitslückenmodell. Allerdings sieht Ingenieur Eissing die Gefahr, dass der Netzausbau nur mangelhaft erfolgt. Als zukunftsgerichtet sieht der Fachmann nämlich nur einen Ausbau der kompletten Netzstruktur mit Glasfaserkabel. Solange die vorhandenen Kupferdrähte benutzt werden, wird man der Entwicklung immer nur hinterherhinken. Bei der Nutzung der Glasfasertechnologie ist der künftigen Entwicklung Rechnung getragen – der Fachmann erläutert, dass ein Ausbau bis 1000 Mbit/sec damit möglich wäre.

Deshalb plädierte Ingenieur Eissing für einen Ausbau der Netzstruktur im sogenannten Betreibermodell. Dabei übernimmt die Stadt den kompletten Ausbau des Kabelnetzes im gesamten Stadtgebiet mit Glasfaserkabel, also jedes Grundstück wird dabei mit einem Anschluss versorgt. Lediglich der direkte Hausanschluss muss von den Grundstückseigentümern dann noch selbst veranlasst werden. Diese Netzinfrastruktur wird dann an die Betreiber verpachtet.

Auch dazu gibt es eine Förderung durch Bund und Land – und die ist auch bitter nötig. Ingenieur Eissing hat nämlich schon mal die Kosten berechnet. Wenn jeder Ortschaft, jeder Wohnplatz und dort jedes Grundstück mit Glasfaserkabel erreicht werden soll, muss eine Menge Leerrohre und Leitungen verlegt werden. Die Bezuschussung wäre dabei nicht ganz schlecht, denn immerhin können bis zu 50 % der Ausbaukosten vom Bund und weitere 20 % vom Land kommen. Am Ende stand eine riesige Zahl – 8.315.000 € könnte dieser Ausbau - ohne Zuschüsse - kosten.

Da besteht natürlich Redebedarf – den zahlreichen Wortmeldungen blieb Ingenieur Eissing keine Antwort schuldig. Es ging um die derzeit vorhandene Struktur, die selbstverständlich bei der Planung bereits berücksichtigt ist, sofern das ausreichende Bandbreiten bietet. Es ging um das Pachtentgelt für das Leitungsnetz, das sich nach Auskunft von Ingenieur Eissing auf die Anzahl der Anschlüsse bezieht und von der Stadt dann an die Anbieter verlangt wird. Und es ging auch um die Umsetzung bzw. die Werbung, denn Sinn macht das ganze Projekt nur dann, wenn viele oder möglichst alle mitmachen. Dabei ist klar, dass die Ortschaften mit schlechter Anbindung auf schnelle Anschlüsse brennen. In einem Beispiel ging es um einen Betrieb, der nicht mehr effektiv arbeiten kann, weil die Bestellung von notwendigen Teilen über das Internet täglich Stunden an Arbeitszeit verschlingt, was sonst in kürzester Zeit möglich wäre.

Die Investition würde sich auf mehrere Jahre erstrecken – Ingenieur Eissing hielt einen Zeitraum von drei Jahren für realistisch. Dementsprechend würde Stadtkämmerin Carmen Kloß das für die Haushalts- und Finanzplanung übernehmen und die Stadtverwaltung würde Anfang des kommenden Jahres die Förderanträge für das Gesamtprojekt stellen. Mit diesem zukunftsweisenden Ergebnis schloss der Tagesordnungspunkt durch Beschluss der Stadträte am Ende auch ab – einstimmig übrigens.

 

Das Bild zeigt eine Baufirma beim Verlegen von Glasfaserleitungen im "Micro-Trenching"-Verfahren - mit minimalsten Eingriffen in bestehende Straßen und Wegeoberlfächen:

2016 Breitband