Sitzungsberichte

26. 4. 2018

Gemeinderat stockt Freibadplanung auf – „wenn schon, denn schon“

In der letzten Sitzung des Schrozberger Gemeinderates vor der Sommerpause – zum ersten Mal unter Leitung von Bürgermeisterin Jacqueline Förderer – stand das Freibad als erster und sicher auch als wichtigster Punkt auf der Tagesordnung. Die Vorgeschichte dazu geht aber schon weiter zurück: mit der Diskussion um die Schließung wegen der hohen laufenden Kosten beginnend im Jahr 2013 wurde das Thema „Freibaderhalt“ Wahlkampfthema Nr. 1 für die Kommunalwahl 2014. Nach dem Beschluss des Gemeinderates über das Ende des Freibadbetriebes im September 2015 gab es im Januar 2016 nach einem erfolgreichen Bürgerbegehren einen positiven Bürgerentscheid für den Fortbestand des Bades. Allerdings: Das Gesundheitsamt hatte das Freibad wegen erheblicher Mängel im Jahr 2013 „geschlossen“.

Die beiden Fachplaner Gerhard Richter und Jochen Rausenberger waren bei dieser Sitzung ebenfalls anwesend und konnten den derzeitigen Planungsstand vorstellen. Dazu muss vorab erwähnt werden, dass sich die Arbeitsgruppe „Freibad“ bestehend aus Verwaltung, Gemeinderat und Vertretern der Freibadfreunde bereits zwei Wochen vor der Sitzung getroffen hatte. In dieser Runde einigte man sich sehr schnell auf eine Lösung, die etwas mehr bietet, als mit dem Bürgerentscheid vorgegeben wird. So könnte anstatt einem Becken mit einer Länge von 25 Meter ohne Attraktionen bei einem Kostenmehraufwand von rund 170.000 € ein 33 Meter-Becken mit Startblöcken, Sprungbrett und Sprungturm bei entsprechender Tiefe des Beckens gebaut werden. Schon in der Arbeitsgruppe war schnell klar, dass ein einfacher Zweckbau zwar dem Bürgerbegehren und dem daraus resultierenden Bürgerentscheid gerecht wird, das Bad aber auch langfristig attraktiv sein sollte. Die Fachmänner vom Büro Richter&Rausenberger erklärten dazu, dass die ursprünglichen Kosten aus heutiger Sicht mit rd. 1,6 Mio. € eingehalten werden können. Derzeit planen sie für die Gemeinde Mainhardt ein Freibad, das sogar günstiger als die Kostenermittlung realisiert wird. Die Gesamtplanung des Fachbüros zum neuen Schrozberger Freibad präsentiert sich sehr ansprechend. Der Zugangsbereich zur neuen Freibadanlage wäre direkt vom Parkplatz her und seitlich flankiert von Kiosk/Kassenbereich auf der einen und die Umkleiden mit Nebenräumen auf der anderen Seite. Dort wäre im Untergeschoss dann auch die Technik untergebracht. Eine Kindererlebnis- und Spaßzone gerade für die Kleineren ist für die beiden Planer ein „Muss“ und verdient einen eigenen Bereich in Folge zum Kioskbereich und neben dem Becken gelegen.

Bei der Variante mit dem verlängerten Becken und den zusätzlichen Attraktionen ändert sich an der übrigen Planung im Grunde nichts. Bei den Kosten sind sich die beiden Planer so gut wie sicher, dass keine ungeahnten Überraschungen mehr auftauchen dürften und die größere Variante zu weiteren Kosten mit 170.000 € führen wird, so dass sich die Gesamtkosten auf rd. 1,77 Mio. € belaufen würden.

Für die Aussprache und Diskussion ließen sich die Gemeinderäte ausreichend Zeit – und das ist auch richtig so. Themen waren die Haltbarkeit der Folienauskleidung, die Auslegung der Solarheizung sowie andere technische Detailfragen. Wesentlicher aber ist sicherlich die Einlassung der Freibadfreunde, die im Vorfeld signalisiert haben, dass sie einen Großteil der Wasseraufsicht übernehmen könnten und insoweit bei den laufenden Kosten die Personalausgaben im städtischen Haushalt deutlich reduziert werden könnten. „Wenn schon, denn schon“ war mehrfach und bei einigen Wortmeldungen gerade auch bei den Freibadkritikern bzw. –skeptikern zu hören. Also wenn schon ein Freibad mit einem großen Kostenaufwand von Seiten der Bürger gewünscht wird, dann sollte es ein Bad geben, das auch entsprechend attraktiv ist und gerne angenommen wird – in allen Wortmeldungen sprachen sich die Räte für die „große“ Lösung aus.

Eine weitere Überlegung wurde laut, ob die Freibadfreunde auch bei den Bauarbeiten unterstützen könnten. Hier sehen die Planer aber lediglich bei den Abrissarbeiten eine sinnvolle Möglichkeit für Eigenleistungen – das Einsparvolumen wären da maximal 30.000 €.

Die Beschlussfassung zu dem Punkt war aber dann unzweifelhaft eindeutig: Einstimmig beschlossen die Gemeinderäte, die weitere Planung sowie den Zuschussantrag auf die „größere“ Variante auszulegen. Und so sind nun Planer und die Stadtverwaltung gefragt – als nächstes wird mit entsprechenden Planunterlagen der Zuschussantrag auf Förderung aus dem Entwicklungsprogramm „Ländlicher Raum“ gestellt. Von dort wird ein Zuschuss in der Größenordnung etwa 34 % der Kosten, also rund 650.000 € erhofft.

Jetzt heißt es zunächst abwarten: mit einer Förderentscheidung ist im Frühsommer 2017 zu rechnen – und solange ruht die Diskussion.